Kreuzfahrt von Kiel nach Reykjavík: Route, Häfen und Reisetipps
Gliederung
– Routenvarianten und Distanzen
– Häfen und Landgänge
– Saison, Wetter und Seegang
– Planung an Bord und Budget
– Reykjavík erleben und Fazit
Routenvarianten zwischen Kiel und Reykjavík: Geografie, Distanzen und Seetage
Die Strecke von Kiel nach Reykjavík führt dich aus der geschützten Ostsee durch den Kleinen Belt oder den Großen Belt in die Nordsee und weiter über den Nordatlantik. Je nach gewählter Route beträgt die Distanz rund 1.350 bis 1.650 Seemeilen. In typischen Fahrplänen sind 9 bis 14 Reisetage üblich, davon 3 bis 6 volle Seetage. Der Golfstrom mildert die Temperaturen, ändert aber nichts daran, dass das Wetter im Nordatlantik wechselhaft ist. Genau darin liegt der Reiz: Hinter der nächsten Dünung wartet oft ein neuer Horizont mit dramatischer Küstenkulisse.
Grundsätzlich lassen sich zwei Hauptvarianten unterscheiden. Variante A orientiert sich an Dänemark und Norwegen, bevor sie Kurs Nordwest nimmt. Das bedeutet häufige Anläufe in landschaftlich geprägten Fjordstädten, Bergpanoramen schon vorm Frühstück und kürzere Sprünge zwischen den Häfen, bevor die längere Atlantikpassage beginnt. Variante B setzt früh auf die offene See und kombiniert Stationen in Schottland, auf den Orkneys oder Shetlands sowie den Färöern. Diese Route punktet mit rauer Inselromantik, prähistorischen Stätten und vogelreichen Klippen – zugleich gibt es etwas längere Seetappen, die echtes Ozean-Feeling vermitteln.
Ein Beispiel zur Orientierung: Kiel – dänische Küste – norwegischer Fjordhafen – Shetland oder Färöer – Ostisland – Nordisland – Westfjorde – Reykjavík. Alternativ: Kiel – Kopenhagen oder Jütland – Orkney – Shetland – Färöer – Reykjavík mit einer ausgedehnten Atlantiketappe. Beide Muster bringen dich zuverlässig ans Ziel, doch sie gewichten Landschaft, Kultur und Seetage unterschiedlich.
– Wer häufige Landgänge und bergige Fjordlandschaften schätzt, tendiert zu einem norwegenlastigen Verlauf.
– Wer sich für Archäologie, Grasdächer und Basaltklippen begeistert, findet die Inselroute besonders stimmig.
– Wer die reine Ozeanerfahrung sucht, prüft Abfahrten mit zwei oder mehr zusammenhängenden Seetagen.
Wichtig ist die Balance: Genug Häfen für Eindrücke und Kulinarik, genug Seetage für Ruhe und Weitblick. Gerade auf dem Weg nach Island vermittelt die Passage das Gefühl einer kleinen Entdeckerreise – ohne auf Komfort verzichten zu müssen.
Häfen und Landgänge: Von Skagerrak bis zur Vulkaninsel
Die Vielfalt der möglichen Häfen macht diese Route so attraktiv. In Dänemark erwartet dich eine maritime Kulisse mit breiten Stränden, Dünen und Leuchttürmen. Orte an Jütlands Spitze bieten sich für Radtouren auf flacher Strecke oder Spaziergänge an langen Sandbänken an. Der Vorteil: Wege sind kurz, Kaffeehäuser gemütlich, und du kommst schnell in den Ferienmodus. Kulturell locken Museen zur Seefahrtgeschichte, kleine Fischauktionen und regionale Küche von Smørrebrød bis frisch geräuchertem Hering.
Norwegen bringt dann die Fjorde ins Spiel: steile Hänge, Wasserfälle, Aussichtspunkte mit markierten Pfaden. In mittelgroßen Küstenstädten ist die Uferpromenade oft fußläufig erreichbar, und ein halbtägiger Ausflug reicht, um Panoramawege, alte Holzhäuser und lokale Märkte mitzunehmen. Wer aktiver unterwegs ist, nutzt die Landgänge für kurze Gipfelwanderungen oder Kajaktouren im geschützten Wasser. Familien wählen eher Panoramabusse mit Fotostopps; Genießer kombinieren Stadtbummel und regionale Kost, etwa Fischsuppen, Zimtschnecken und Beerenkuchen.
Die britischen Inseln – namentlich Orkney und Shetland – setzen kulturhistorische Akzente. Steinzeitliche Siedlungsspuren, Wind über grasbewachsenen Hügeln, Seevögel an Felskanten: Es ist eine andere Welt als die Fjorde, ruhiger in der Topografie, aber aufgeladen mit Geschichte. Spaziergänge durch Küstenstädtchen führen an niedrigen Steinhäusern vorbei, in deren Fenstern Seefahrerromantik und Inselleben sichtbar werden. Oft liegen die Tender- oder Liegeplätze zentral, was spontane Erkundungen begünstigt.
Ein Abstecher zu den Färöern wirkt wie ein Bindeglied auf dem Weg nach Island: saftig grüne Hänge, Wasserfälle bis ans Meer, grasgedeckte Häuser. Die Inseln sind kompakt genug, um an einem Tag mindestens zwei Kontraste zu erleben: Hafenort und Hochlandstraße, Dorfkirche und Steilküste. Rechne mit schnell wechselndem Licht – Fotos gelingen hier im Minutentakt, weil Wolken und Sonne ständig neue Stimmungen schaffen.
In Island selbst bieten sich je nach Hafen unterschiedliche Schwerpunkte an. Im Osten (z. B. ein Fjordhafen mit bunten Holzhäusern) liegen Wanderwege dicht am Ort, im Norden locken Wale, geothermische Felder und ein markanter Wasserfall mit breiter Kaskade. Die Westfjorde überraschen mit einer fächerförmigen Fallstufe, während Halbinseln im Westen fotogene Basaltformationen und einen kegelförmigen Tafelberg bereithalten. So entstehen an aufeinanderfolgenden Tagen sehr unterschiedliche Eindrücke – von Moosfeldern bis Lava, von ruhigen Fischerdörfern bis zur urbanen Kante der Hauptstadt.
– Kurze Landgänge: Stadtspaziergang, Aussichtspunkt, lokales Museum.
– Mittlere Landgänge: Küstenwanderung, Vogelklippen, Farmbesuch mit regionaler Kost.
– Längere Landgänge: Rundfahrt zu Wasserfällen, geothermischen Gebieten oder Walbeobachtung.
Planungstipp: Prüfe in der Routenbeschreibung die Liegezeiten. Ein Hafen von 8 bis 18 Uhr ermöglicht entspannte Ausflüge, während kürzere Stopps eine klare Priorisierung erfordern.
Saison, Wetter, Seegang: Was die Statistik sagt – und wie du sie nutzt
Die Saison für eine Reise von Kiel nach Reykjavík reicht in der Regel von Mai bis September, mit gelegentlichen Abfahrten im Schultermonat Oktober. Im Hochsommer liegen die Tageshöchstwerte in Reykjavík meist zwischen 12 und 16 °C, an kühlen Tagen darunter. Auf See sind 8 bis 14 °C typisch; Wind lässt es frischer wirken. Das Licht spielt eine Hauptrolle: Ende Juni wird es kaum dunkel, während im September die Dämmerung früher anrückt – dafür steigt ab Spätsommer die Chance auf Polarlichter, sofern die Nacht klar ist.
Beim Seegang zeigt die Statistik: Im Sommer sind in der Nordsee und im nahen Nordatlantik eher moderate Wellenhöhen von 1 bis 2 Metern verbreitet, doch Tiefdruckgebiete können vorübergehend 3 bis 5 Meter bringen. Große, moderne Schiffe dämpfen Bewegungen, aber die Physik bleibt spürbar. Deshalb gilt: midship und auf niedriger Deckhöhe ist es meist am ruhigsten; je höher und weiter vorne oder hinten, desto ausgeprägter die Bewegung. Wer empfindlich ist, packt Medikamente rechtzeitig an den Beginn der Seetage.
Für die Kleidung gilt das Zwiebelprinzip. Wasser- und windabweisende Außenlage, wärmende Mittelschicht, atmungsaktive Basis – so bist du gerüstet. Mütze, Handschuhe und Buffs sind im Sommer nicht übertrieben, denn an Deck pfeift der Wind. Robuste, rutschfeste Schuhe lohnen sich in Häfen und auf nassen Gangways.
– Tageslänge: Ende Juni in Reykjavík über 20 Stunden Helligkeit; im Mai und August immer noch sehr lang.
– Niederschlag: wechselhaft, kurze Schauer häufig; sonnige Fenster wechseln sich mit Wolken ab.
– Sicht: An klaren Tagen beeindruckende Fernsicht, bei Seegang und Gischt an Deck auf Spritzwasser achten.
Wer die Saison wählt, wählt das Erlebnis: Frühsommer bringt frisches Grün und viele Vögel; Hochsommer steht für stabile Abläufe und lange Abende; der Frühherbst liefert warmes Meereslicht und – mit etwas Glück – die grünen Schleier am Himmel. Sicherheitshalber sollten Ausflüge so geplant sein, dass Wetterumschwünge Puffer haben. Ein flexibler Plan schlägt jedes starre Pflichtprogramm.
Praktische Planung: Kabine, Budget, Gepäck und Bordleben
Die Kabinenwahl prägt das Erlebnis. Wer maximale Stabilität möchte, wählt eine mittschiffs gelegene Kabine auf einem der unteren Decks. Für Landschaftsfreunde sind Außen- oder Balkonkabinen beliebt: Morgens den Vorhang öffnen und Fjordlicht im Zimmer haben – das ist ein besonderer Moment. Innenkabinen sind preislich oft attraktiver und für Reisende geeignet, die ohnehin viel an Deck sind.
Beim Budget lohnt Transparenz. Im Grundpreis sind Kabine, Vollpension und viele Bordprogramme enthalten, hinzu kommen oft Getränke außerhalb der Mahlzeiten, Serviceentgelte, Landausflüge, Spezialitätenrestaurants, Wellnessanwendungen und Internetpakete. Wer die Kosten steuern will, setzt Schwerpunkte: vielleicht zwei geführte Highlights kombiniert mit eigenständigen Spaziergängen, eine Massage statt mehrerer, lokale Cafés statt permanentem Bordespresso.
Packliste im Norden: wetterfeste Jacke, isolierende Midlayer, Mütze, Handschuhe, Sonnenbrille, Sonnencreme (ja, selbst im Norden sinnvoll), knöchelhohe, rutschfeste Schuhe, Tagesrucksack, leichte Trinkflasche, kleiner Drybag für Handy und Kamera. Technisch sind Powerbank und Speicherkarten hilfreich, da Fotomotive reichlich vorhanden sind. Wer schwankende Temperaturen kennt, nimmt Merinobasics mit; die trocknen schnell und riechen weniger.
Auf dem Schiff lohnt ein Blick ins Tagesprogramm. Vorträge über Geologie, Vogelwelt oder Seefahrtgeschichte vertiefen das, was du draußen siehst. Kulinarisch wechseln oft nordische Zutaten mit internationaler Küche; probiere ruhig lokale Fische, Krustentiere und Brotspezialitäten. In ruhigen Seephasen macht ein Spaziergang auf dem Außendeck den Kopf frei, während Seetage mit mehr Wind eher nach Bibliothek, Sauna oder kurzer Sporteinheit klingen.
– Früh buchen für Auswahl bei Kabinen und Tischzeiten.
– Hafenpläne vorab studieren, um zu entscheiden: geführter Ausflug oder individuell?
– Reiseversicherung und Ausweisdokumente rechtzeitig prüfen; Island liegt außerhalb der EU, dennoch ist der Ablauf für Kreuzfahrende unkompliziert.
Nachhaltigkeit beginnt im Kleinen: wiederbefüllbare Trinkflasche statt Einweg, achtsamer Umgang mit Handtüchern, Wahl regionaler Anbieter bei Landausflügen. Manche Häfen bauen Landstrom aus, was Emissionen am Liegeplatz reduziert; informiere dich über aktuelle Initiativen vor Ort. So verbindest du Reisefreude mit Rücksicht auf die sensiblen Regionen des Nordatlantiks.
Reykjavík erleben und Fazit für Reisende
Die Ankunft in Reykjavík fühlt sich an wie ein Zielpunkt und ein Auftakt zugleich. Je nach Liegeplatz erreichst du die Innenstadt in kurzer Zeit zu Fuß oder per Shuttle. Der erste Eindruck ist kontrastreich: bunte Häuser, klare Luft, Meeresrauschen und im Hintergrund die Bergkette Esja. Wer nur einen Tag hat, plant kompakt: Aussicht von einer markanten Betonkirche im Stadtzentrum, Altstadtgassen mit Street Art und Cafés, Uferpromenade mit moderner Glasarchitektur, ein Abstecher in ein kleines Bad oder an eine windige Landzunge für weiten Blick über die Bucht.
Mit längerer Liegezeit lohnen Ausflüge ins Umland. Beliebt ist eine Rundtour mit Nationalpark, sprudelndem Heißwasserfeld und gewaltigem Wasserfall – geologisch und landschaftlich ein dichter Überblick. Alternativ lockt eine milchig-blaue, geothermische Lagune nahe Grindavík, die selbst bei kühler Luft angenehm wärmt. Naturfans ziehen Walbeobachtungen in Betracht; die Chance ist in der Bucht vor der Stadt ordentlich, variiert aber mit Saison und Sicht. Kulinarisch warten Fischsuppen, Lammgerichte, Rogen und Roggenbrot aus Erdwärmebacköfen – alles mit klarer, nordischer Note.
Für die Rückreise gibt es mehrere Varianten. Manche Routen sind Rundreisen und führen zurück auf das europäische Festland; andere enden in Reykjavík, dann empfiehlt sich ein Flug zurück. Wer zeitlich flexibel ist, bleibt ein bis zwei Nächte, um Museen, Designläden und das Umland in Ruhe zu erleben. Der zusätzliche Puffer schützt zudem vor wetterbedingten Änderungen im Fahrplan und macht die Heimreise gelassener.
Fazit für die Zielgruppe: Diese Reise ist ideal für Entdeckerinnen und Entdecker, die Seetage als Teil des Abenteuers verstehen, aber regelmäßig an Land eintauchen wollen. Sie spielt ihre Stärken aus, wenn du Offenheit für Wetter, Freude an klarer Luft und Lust auf nordische Kulinarik mitbringst. Plane mit Bedacht, wähle die Route nach deinen Interessen – Fjorde versus Inseln –, und gönne dir in Reykjavík noch ein paar Stunden extra. So wird aus einer Verbindung zweier Häfen eine Erzählung aus Licht, Wind und Vulkanland, an die du dich lange erinnerst.
– Kompakt genießen: Stadtspaziergang, Aussichtspunkt, lokale Küche.
– Aktiv vertiefen: Rundtour ins Umland oder Walbeobachtung.
– Entspannt ausklingen: Geothermisches Bad, Blick über die Bucht, letzter Kaffee am Hafen.